1989 wusste das noch jeder. Und heute? Ok, beim Fußball sind alle einig Fußball-Land; da geht man kollektiv auf die Straße, um zu Feiern.
Warum nur klappt das nicht auch bei anderen Themen. Nach wie vor ist das Volk ja der Souverän; zumindest auf dem Papier, das sich Grundgesetz nennt. Oft verwechselt mit einer Verfassung, die Deutschland eigentlich nach wie vor nicht hat.
Alle meckern über den Euro, die Steuern, die Benzinpreise, die Arbeitslosigkeit, Hartz lV, Umweltverschmutzung, Bereicherung von Managern, Energiekosten, Lobbyisten und deren Helfer in Politikergestalt und dies und das. Und wer geht auf die Straße?
Ja, an Ostern, da wird marschiert und auch wenn ein Wirtschaftgipfel ansteht. Doch oft machen zu solchen Anlässen in der Mehrzahl Radikale mobil, um bei der Gelegenheit auch noch Nachbar Müller`s Familienlimousine abzufackeln oder den Supermarkt an der Ecke zu plündern und zu zerlegen.
Aber sonst? Bei der wöchentliche Montagsdemo in Frankfurt/Main müht sich ein tapferer Herr seit Jahr und Tag mit kleiner PA aus der Heckklappe seines Kombis um die Aufmerksamkeit der Passanten; mehr als zwanzig habe ich noch nie gleichzeitig da stehen sehen. Nach einer Kippe gehen die meisten sowieso weiter.
Hat das Volk resigniert? Die Wahlbeteilungen in letzter Zeit lassen diesen Schluss ebenso zu wie die sich auf Stammtischreden beschränkende Kritik an "denen da oben". Offensichtlich ist sich niemand seiner Macht bewusst. Durch Demonstrationen, Petitionen, geändertes Kaufverhalten, Streiks usw. kann man Einfluss nehmen. Steter Tropfen höhlt den Stein.
Obwohl, verstehen kann man diese Geisteshaltung schon etwas. Oder wurden wir gefragt, ob wir den Euro haben möchten? Beschlossen durch unsere Volksvertreter. Doch was macht man, wenn der Wähler in der Mehrheit etwas anderes möchte, jedoch alle zur Wahl stehenden Parteien sich im Grunde einig sind, etwas anderes voranzutreiben? Vorsicht, denn so etwas spielt immer Radikalen in die Karten, die es verstehen, solche Themen geschickt zu besetzen. Ich erinnere nur an die Umfrageergebnisse für Horst Schlemmer vor der letzten Bundestagswahl. Schon Brecht wusste, das sich die Regierung wohl am liebsten ein neues Volk wählen würde.
Da muss man das unwissende Volk schon einmal bervormunden, wie ein kleines Kind, dass ja auch noch nicht weiß, was gut für es ist. Klar, viele sind dumm, manch einer wählt den Politiker nach Sympathie oder Aussehen aus, viele kennen gewisse Fakten nicht, doch ist dies nur eine Folge der Politikverdrossenheit und verfehlter Bildungspolitik.
Es gäbe so viel zu ändern. Das ganze System (nicht nur hier) ist doch, wenn man nur problemfrei bis drei zählen kann, früher oder später zum Scheitern verurteilt. Rente, Steuern, Krankenversicherung - wie lange soll das noch gut gehen? Wie kann es sein, dass man, wenn man einen Euro für Benzin ausgibt, 88 Cent an Steuern bezahlt?
Gegenwehr ist angesagt. Schreiben Sie Ihrem Abgeordneten in Berlin, äußern Sie Ihre Meinung. Warum nicht eine Partei gründen? Die derzeitigen Alternativen mit ewig gestrigen Nationalisten oder den merkwürdigen Linken, die verneinen, dass die "DDR" ein Unrechtsstaat war, gehören eigentlich in kein Parlament.
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