Wer den Tagsüber-Sportsender "sport1" (ehemals DSF) kennt, der kann sicherlich auch mit dem Begriff „Phrasenschwein“ etwas anfangen. In eben jenes muss jeder der Diskussionsteilnehmer immer dann EUR 5,- versenken, wenn er in seinen Ausführungen auf Floskeln oder Sprichwörter zurückgreift.
So etwas müsste es im Alltag auch geben; mit mir als Kassenwart. Nur eine selbstständige Tätigkeit als Falschparker-Anzeiger, wenn es eine solche gäbe, würde mehr Gewinn abwerfen.
Tagtäglich wird man mit eben jenen standardisierten Redewendungen konfrontiert oder mit nichtssagenden Phrasen malträtiert. Zudem noch oft in einem Zusammenhang, der sich wohl nur dem Anwender erschließt. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Oft ist man versucht, jenen Sprach- und Sinnignoranten verbal den Krieg zu erklären, doch, wer andern eine Grube gräbt, wird man meistens nur selbst in diese fallen, da es nichts aussichtsloseres zu geben scheint, als gegen Nichtwissen, wer will kann es auch Dummheit nennen, und Ignoranz Krieg führen zu wollen. Doch noch ist nicht aller Tage Abend, denn der Schatten kommt vom Licht.
Doch dieses Verhältnis trotzt zunehmend allen ihm nachgesagten physikalischen Eigenschaften, denn offensichtlich wird immer mehr Schatten von immer weniger Licht erzeugt. Um gezielt kurz abzuschweifen sei die Frage nach den Nutznießern einer immer dümmer werdenden Gesellschaft erlaubt. Wirtschaft, Banken, Politik und die offen, häufiger jedoch verdeckt, agierenden Propagandisten der "New World Order".
Früher war es schwieriger an Informationen zu kommen, doch wenn man etwas nicht wusste, fand man es heraus, sei es durch fragen oder lesen. Jetzt, da wir in der (Des-)Informationsgesellschaft leben, ist Wissen jederzeit verfügbar und selbst der neue Lebenspartner wird vorher „gegoogelt“, doch die Mehrheit nutzt diese Möglichkeiten nicht. Man kann ja nicht alles wissen.
Neulich las ich mit Begeisterung eine Leserzuschrift in der Frankfurter Rundschau, in der der Schreiber vorschlug, in Zukunft die Zulassung zur Fahrprüfung an das Erreichen eines Hauptschulabschlusses zu knüpfen. Dies könnte laut dessen Theorie zu einem Ansteigen der Zahl zumindest halbwegs qualifizierter Schulabgänger führen. Ich bin ja an sich Optimist, doch in diesem Falle sähe ich als Folge eher die quasi autofreie Gesellschaft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Man ist ja schon geneigt, Dankesschreiben zu verfassen, wenn sich heutzutage jemand am Telefon als fähig erweist, sich unfallfrei mit seinem Namen zu melden, eventuell vorher eine nicht all zu schwere Grußformel wie „Guten Tag..“ anzubringen und dann auch noch leicht nachvollziehbar sein Anliegen schildern kann. Muss man sich damit abfinden und soll man die Erwartungen zurückschrauben?
Kann man der Sache eventuell sogar noch positive Seiten abgewinnen? Dann würde die Zeitung mit den großen Buchstaben wohl titeln „Toll! Deutsch noch einfacher…" Und klein: "Jeder Chinese, der mit einem Reiseführer mit den gängigsten Redewendungen unser Land besucht, ist auf dem gleichen Stand wie ein durchschnittlicher Hauptschulabsolvent!"
Ich weiß nicht. Den Anfängen kann man nicht mehr wehren, dafür ist die Karre schon zu weit in den Dreck gefahren. Doch auch eine konsequente Politik der kleinen Schritte kann zum Erfolg führen. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, auch wenn alle Wege dahin zu führen scheinen.
So, jetzt geht mir aber langsam das Kleingeld aus und mein eigenes Phrasenschwein droht gleich zu platzen. Ähnlichkeiten zu tatsächlichen Geschehnissen, zu noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen wären rein zufällig. Schließlich wäscht eine Krähe die andere und eine Hand sticht der anderen doch kein Auge aus…
Donnerstag, 18. August 2011
Eigene Meinung
Wir leben ja bekanntlich in einer Demokratie. Angeblich. Denn ob in den westlichen "Volksherrschaften" tatsächlich die Bürger noch der Souverän sind oder jemals waren, möchte ich bezweifeln; doch das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls gehört zu so einer Demokratie das Recht auf freie Meinung. Doch so eine Meinung muss man sich ja erst einmal BILDen. Wie zum Beispiel über Zeitungen oder über Funk und Fernsehen. Früher gab es da als Hilfe Musiksender, bei denen der Name noch Programm war. Musik ist dort jedoch mittlerweile nur noch schmückendes Beiwerk zu den zum Teil unsäglichen Programmformaten und Klingeltonwerbungen.
Also Radio an. Einen Tag habe ich das durchgezogen und habe auch noch einen Sender ausgesucht, der sich auf die junge Zielgruppe spezialisiert hat. Ist ja für einen DJ eventuell aufschlussreich. Dachte ich zumindest. Wenn ich die durch diesen leidensreichen Selbstversuch gewonnen Erkenntnisse umsetzen würde, könnte ich zum nächsten Gig getrost mit nur zwanzig Platten anreisen.
Entlastend für diese Art Sender sind einzig die Hörgewohnheiten, sprich die Verweildauer der Konsumenten vor ihren Empfängern. Nur so ist es zu erklären, dass man einige Titel fast stündlich hört und sich die Titelauswahl auf den Inhalt der jeweils aktuellen Bravo Hits beschränkt. Trotzdem ist es nervig, wenn man tagsüber unterwegs ist, im Auto das Radio einschaltet und auch beim dritten Mal wieder das gleiche Lied hört.
Man hat ja als DJ sowieso oft das Problem, dass man neue Platten spielt, die dann erst Wochen später den Sprung in die Hot Rotation schaffen. Dann muss man es spielen; am besten dreimal. Also kann man, gleich wie gut der Song ist, das Stück eigentlich schon nicht mehr ertragen. Wenn ich nun noch Stammhörer im GfK-konformen Jugendfunk wäre, würde ich durchdrehen, denn da werden solche Tracks regelrecht kaputt gespielt, so dass selbst hart gesottene Fans das Teil nicht mehr hören können.
Interessant dann allerdings die in gewissen Abständen eingebauten Insider-Tracks. Da wird mal vom aktuellen Album eines angesagten Stars das dritte Lied nach der ersten Hitauskopplung gespielt oder eben das, was die Promoabteilung den Sendern vorab als nächste Auskopplung anpreist wie der Aal-Fritz seine Ware auf dem Fischmarkt in Hamburg.
Damit wird dann Backgroundwissen und Sachkenntnis vorgetäuscht, die bei den meisten Moderatoren leider auch ansatzweise nicht vorhanden ist. "Bei uns hört ihr zuerst den Shit..!" Funktioniert interessanterweise aber gar nicht so oft.
Trotzdem färbt dies auf die Clubs ab. In manchen Läden verlangt das Partyvolk nach immer nur den gleichen Hits, andere Locations haben ein Publikum, dass so cool drauf ist, dass man besser keinen einzigen kommerzverdächtigen Titel laufen lässt.
Jeder DJ kennt das wohl: Man hat eine geile Promo bekommen und ist ganz heiß darauf, das Teil im Club laufen zu lassen. Der Abend kommt, die Party nimmt Fahrt auf und jetzt, genau jetzt das Teil spielen. Nach cirka zwei Minuten ist deutlich zu sehen, dass weniger Leute auf dem Floor sind als noch zu Beginn des Tracks. Einige mitleidige Blicke treffen einen und man spürt förmlich die Frage im Raum hängen "Wassollndassein?".
Frechheit siegt, dachte ich mir einmal, nahm das Mikro und schlüpfte in mein Nurdiehits-Moderatoren-Kostüm und verkündete lauthals: "Und hier, speziell für euch, die brandaktuelle Scheibe von (hier den Namen des Superstars einfügen)". Betroffenheit in einigen Gesichtern. Es wurde merklich voller auf der Tanzfläche und einige Blicke verrieten, dass man wieder DJ Cool war, denn man hatte die neue Scheibe von, ihr wisst schon, dabei und das Lied ist aber auch der Hammer. "Ey Alder, muss ich gleich morgen früh aus dem Netz saugen.."..
Womit wir wieder beim Thema wären: Die eigene Meinung. Kann den heute nur noch eine handvoll Leute für sich entscheiden, was gut ist? Muss man denen das erst sagen? Wird ein Song erst dadurch gut, wenn er im Radio oder im Fernsehen omnipräsent ist?
Doch es geht immer noch schlimmer. So geschah es zu der Zeit ,als es so viele Plattenläden gab wie heutzutage Nagelstudios, dass man sich mit Kumpels die frisch eingetroffenen Vinyls rein zog, An einem der Turntables ging ein offensichtlicher Berufskollege der selben Beschäftigung nach.
Schließlich ging er mit einigen Platten Richtung Kasse, legte drei davon auf den Tresen, hielt dem Verkäufer eine vor die Nase und, wie gesagt, er hatte sich alle vorher angehört, fragte, ob die denn gut sei (!).
Hierzu habe ich meine eigene Meinung. Bei dieser wird jedoch die Grenze zur Beleidigung überschritten und da wir ja in einer Demokratie..
Jedenfalls gehört zu so einer Demokratie das Recht auf freie Meinung. Doch so eine Meinung muss man sich ja erst einmal BILDen. Wie zum Beispiel über Zeitungen oder über Funk und Fernsehen. Früher gab es da als Hilfe Musiksender, bei denen der Name noch Programm war. Musik ist dort jedoch mittlerweile nur noch schmückendes Beiwerk zu den zum Teil unsäglichen Programmformaten und Klingeltonwerbungen.
Also Radio an. Einen Tag habe ich das durchgezogen und habe auch noch einen Sender ausgesucht, der sich auf die junge Zielgruppe spezialisiert hat. Ist ja für einen DJ eventuell aufschlussreich. Dachte ich zumindest. Wenn ich die durch diesen leidensreichen Selbstversuch gewonnen Erkenntnisse umsetzen würde, könnte ich zum nächsten Gig getrost mit nur zwanzig Platten anreisen.
Entlastend für diese Art Sender sind einzig die Hörgewohnheiten, sprich die Verweildauer der Konsumenten vor ihren Empfängern. Nur so ist es zu erklären, dass man einige Titel fast stündlich hört und sich die Titelauswahl auf den Inhalt der jeweils aktuellen Bravo Hits beschränkt. Trotzdem ist es nervig, wenn man tagsüber unterwegs ist, im Auto das Radio einschaltet und auch beim dritten Mal wieder das gleiche Lied hört.
Man hat ja als DJ sowieso oft das Problem, dass man neue Platten spielt, die dann erst Wochen später den Sprung in die Hot Rotation schaffen. Dann muss man es spielen; am besten dreimal. Also kann man, gleich wie gut der Song ist, das Stück eigentlich schon nicht mehr ertragen. Wenn ich nun noch Stammhörer im GfK-konformen Jugendfunk wäre, würde ich durchdrehen, denn da werden solche Tracks regelrecht kaputt gespielt, so dass selbst hart gesottene Fans das Teil nicht mehr hören können.
Interessant dann allerdings die in gewissen Abständen eingebauten Insider-Tracks. Da wird mal vom aktuellen Album eines angesagten Stars das dritte Lied nach der ersten Hitauskopplung gespielt oder eben das, was die Promoabteilung den Sendern vorab als nächste Auskopplung anpreist wie der Aal-Fritz seine Ware auf dem Fischmarkt in Hamburg.
Damit wird dann Backgroundwissen und Sachkenntnis vorgetäuscht, die bei den meisten Moderatoren leider auch ansatzweise nicht vorhanden ist. "Bei uns hört ihr zuerst den Shit..!" Funktioniert interessanterweise aber gar nicht so oft.
Trotzdem färbt dies auf die Clubs ab. In manchen Läden verlangt das Partyvolk nach immer nur den gleichen Hits, andere Locations haben ein Publikum, dass so cool drauf ist, dass man besser keinen einzigen kommerzverdächtigen Titel laufen lässt.
Jeder DJ kennt das wohl: Man hat eine geile Promo bekommen und ist ganz heiß darauf, das Teil im Club laufen zu lassen. Der Abend kommt, die Party nimmt Fahrt auf und jetzt, genau jetzt das Teil spielen. Nach cirka zwei Minuten ist deutlich zu sehen, dass weniger Leute auf dem Floor sind als noch zu Beginn des Tracks. Einige mitleidige Blicke treffen einen und man spürt förmlich die Frage im Raum hängen "Wassollndassein?".
Frechheit siegt, dachte ich mir einmal, nahm das Mikro und schlüpfte in mein Nurdiehits-Moderatoren-Kostüm und verkündete lauthals: "Und hier, speziell für euch, die brandaktuelle Scheibe von (hier den Namen des Superstars einfügen)". Betroffenheit in einigen Gesichtern. Es wurde merklich voller auf der Tanzfläche und einige Blicke verrieten, dass man wieder DJ Cool war, denn man hatte die neue Scheibe von, ihr wisst schon, dabei und das Lied ist aber auch der Hammer. "Ey Alder, muss ich gleich morgen früh aus dem Netz saugen.."..
Womit wir wieder beim Thema wären: Die eigene Meinung. Kann den heute nur noch eine handvoll Leute für sich entscheiden, was gut ist? Muss man denen das erst sagen? Wird ein Song erst dadurch gut, wenn er im Radio oder im Fernsehen omnipräsent ist?
Doch es geht immer noch schlimmer. So geschah es zu der Zeit ,als es so viele Plattenläden gab wie heutzutage Nagelstudios, dass man sich mit Kumpels die frisch eingetroffenen Vinyls rein zog, An einem der Turntables ging ein offensichtlicher Berufskollege der selben Beschäftigung nach.
Schließlich ging er mit einigen Platten Richtung Kasse, legte drei davon auf den Tresen, hielt dem Verkäufer eine vor die Nase und, wie gesagt, er hatte sich alle vorher angehört, fragte, ob die denn gut sei (!).
Hierzu habe ich meine eigene Meinung. Bei dieser wird jedoch die Grenze zur Beleidigung überschritten und da wir ja in einer Demokratie..
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